Nach einer tagelangen Blockade der Kommunikationswege können Menschen im Iran erstmals wieder Telefongespräche ins Ausland führen. Wie Bewohner der Hauptstadt Teheran berichten, bleibt der Zugang zum Internet jedoch weiterhin vollständig gesperrt. Die Behörden hatten die Kommunikationswege seit vergangenem Donnerstag weitgehend gekappt, um die Organisation der landesweiten Massenproteste zu erschweren und Informationen über das Vorgehen der Sicherheitskräfte zu kontrollieren.
Augenzeugen berichten von einer prekären Lage in den Krankenhäusern, in die täglich zahlreiche Opfer eingeliefert würden. Menschenrechtsorganisationen schätzen die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Unruhen vor zwei Wochen auf mindestens 648, darunter mehrere Minderjährige. Inoffizielle Schätzungen gehen von weit höheren Opferzahlen aus, die sich jedoch aufgrund der Informationssperre kaum unabhängig verifizieren lassen. Etwa 10.000 Personen seien zudem festgenommen worden.
Der international ausgezeichnete Regisseur Jafar Panahi wandte sich mit einem dringenden Appell an die Weltöffentlichkeit. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, das gewaltsame Vorgehen gegen die wehrlose Bevölkerung nicht schweigend hinzunehmen. Panahi bezeichnete den Einsatz von Kriegswaffen gegen Demonstrierende als Anzeichen für ein drohendes Blutbad. Die Proteste, die ursprünglich aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage und des Währungsverfalls begannen, richten sich mittlerweile gegen die gesamte politische Führung.
Parallel dazu verschärfen sich die internationalen Spannungen. US-Präsident Donald Trump kündigte Strafzölle gegen Handelspartner des Iran an und drohte mit militärischen Optionen, sollte die Gewalt gegen Demonstrierende weiter eskalieren. Die iranische Regierung wies die Anschuldigungen zurück und machte externe Mächte für die Gewalt verantwortlich. Dennoch signalisierte das iranische Außenministerium eine grundsätzliche Bereitschaft zu diplomatischen Gesprächen, sofern diese nicht unter Drohungen stattfänden.