In Syrien haben die Übergangsregierung und die kurdisch geführten Einheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) eine Vereinbarung über eine sofortige und umfassende Waffenruhe getroffen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana gilt diese Übereinkunft für sämtliche Frontlinien zwischen den Regierungstruppen und den kurdischen Milizen. Die Einigung sieht unter anderem vor, dass kurdische Sicherheitskräfte künftig dem syrischen Verteidigungs- und Innenministerium unterstellt werden sollen. Zudem sei die Übergabe der Provinzen Deir ez-Zor und Rakka an die Zentralregierung vorgesehen.
Bereits am Samstag meldete die syrische Armee die Übernahme der militärischen Kontrolle über die Stadt Deir Hafer östlich von Aleppo, nachdem sich kurdische Truppen aus dem Gebiet zurückgezogen hatten. Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa signalisierte zudem Entgegenkommen gegenüber der kurdischen Minderheit. In einem Dekret wurde Kurdisch zur Landessprache erklärt und die Gewährung der Staatsbürgerschaft für zahlreiche Kurden angekündigt.
Trotz dieser diplomatischen Fortschritte bleibt die Sicherheitslage im Land volatil. Aufgrund der innenpolitischen Situation verschob Ahmed al-Scharaa seinen für Montag und Dienstag geplanten Besuch in Berlin. Dort hätte er Gespräche mit Bundeskanzler Friedrich Merz über den Wiederaufbau Syriens und die Rückkehr geflüchteter Menschen führen sollen. Der Besuch war im Vorfeld auf Kritik von Menschenrechtsorganisationen sowie kurdischen und alevitischen Gemeinden gestoßen, die der neuen Führung in Damaskus Repressionen gegen Minderheiten vorwerfen.