Tricia Tuttle wird die Berliner Filmfestspiele, die Berlinale, weiterhin als Festivalchefin leiten. Das teilte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer am Mittwoch nach einem Krisentreffen im Kanzleramt mit. Zuvor gab es Spekulationen, dass die Amerikanerin abgesetzt werden könnte. Grund dafür waren israelfeindliche Äußerungen, die bei der Preisverleihung der 76. Berlinale auf der Bühne gemacht wurden.
Auch Tuttle selbst geriet in die Kritik, weil sie mit Filmschaffenden auf Fotos zu sehen war, die Symbole des palästinensischen Protests zeigten. Die Entscheidung, dass sie im Amt bleibt, kam durch eine Einigung zwischen dem Kulturstaatsminister, der Festivalleiterin und dem Kontrollgremium der Bundeskulturinstitutionen in Berlin (KBB).
Tuttel wird künftig von einem 'beratenden Forum' unterstützt, das dem Festival Ratschläge geben soll. Außerdem wurde festgelegt, dass ein Verhaltenskodex erarbeitet wird. Dieser soll für alle Kultureinrichtungen des Bundes gelten und einen klaren Rahmen für politische Äußerungen bei Veranstaltungen schaffen.
Weimer, der angeblich zuerst eine personelle Neubesetzung gewollt hatte, sprach von 'Empfehlungen', die das Festival künftig stabiler machen sollen. Tuttle bekräftigte ihren Wunsch, ihre Arbeit selbstständig fortführen zu können. Der Streit löste in der Kulturpolitik Diskussionen über das Gleichgewicht zwischen Kunstfreiheit und staatlicher Einmischung aus. Während die Opposition eine Neuausrichtung verlangte, warnten andere Stimmen, wie die frühere Kulturstaatsministerin Claudia Roth, davor, die kulturelle Unabhängigkeit zu gefährden.