In Syrien haben Regierungstruppen im Rahmen eines schnellen Vorstoßes die Kontrolle über wichtige Gebiete im Norden und Osten des Landes übernommen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, dass die Stadt Deir Hafer, etwa 50 Kilometer östlich von Aleppo, sowie der Militärflugplatz Jarrah eingenommen wurden. Auch die Stadt Tabka und der dortige Euphrat-Staudamm, der größte des Landes, stehen jetzt unter staatlicher Kontrolle. Zusätzlich wurden mehrere Dörfer in der Provinz Deir al-Sur und große Ölfelder wie al-Omar und al-Tanak erobert.
Dieser Vormarsch folgte auf eine international vermittelte Abzugsvereinbarung. Diese sollte die Spannungen zwischen der Übergangsregierung und den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) verringern. Der SDF-Chef Maslum Abdi hatte den Rückzug seiner Kämpfer als 'Geste des guten Willens' angekündigt, um die Eingliederung der Milizen in die nationale Armee vorzubereiten. Trotzdem gab es vereinzelte Kämpfe. Die SDF warf den Regierungstruppen vor, in Gebiete vorgedrungen zu sein, bevor der Abzug komplett war. Berichten zufolge wurden auch zwei Brücken über den Euphrat gesprengt.
Parallel zu den militärischen Ereignissen wird der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa zu einem offiziellen Besuch in Berlin erwartet. Das Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz stößt auf geteilte Meinungen. Befürworter betonen die Notwendigkeit des Dialogs, um politische Stabilität in Syrien zu erreichen. Menschenrechtsorganisationen und die kurdische Gemeinschaft kritisieren den Empfang jedoch scharf. Sie weisen auf die frühere dschihadistische Vergangenheit von al-Sharaa hin und beschuldigen seine Führung Kriegsverbrechen und die systematische Verfolgung von Minderheiten.