Die spanische Regierung hat offiziell ihre „Überraschung“ über das Verhalten von Bundeskanzler Friedrich Merz während dessen Besuchs im Weißen Haus zum Ausdruck gebracht. Hintergrund sind Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der Spanien eine unzureichende Unterstützung bei militärischen Operationen gegen den Iran vorwarf und mit einem Ende der Handelsbeziehungen drohte. Trump kritisierte insbesondere, dass Madrid die Nutzung gemeinsam betriebener Militärstützpunkte in Südspanien für Angriffe untersagt habe.
Spaniens Außenminister José Manuel Albares erklärte, man habe der deutschen Seite das Unverständnis über den mangelnden Beistand übermittelt. Albares betonte, dass man innerhalb einer Währungsunion und eines gemeinsamen Marktes Solidarität erwarten könne, wie sie Spanien in der Vergangenheit auch anderen Partnern entgegengebracht habe. Er zog zudem Vergleiche zu früheren Bundeskanzlern wie Angela Merkel und Olaf Scholz, bei denen er sich ein solches Schweigen angesichts von Angriffen auf EU-Partner nicht hätte vorstellen können.
Bundeskanzler Merz hatte im Beisein Trumps vor laufenden Kameras nicht unmittelbar auf die Attacken gegen den NATO-Partner reagiert. Erst nach dem Treffen stellte er vor Journalisten klar, dass Spanien EU-Mitglied sei und Handelsverhandlungen mit den USA ausschließlich gemeinsam durch die Europäische Union geführt würden. Eine gezielte Benachteiligung eines einzelnen Mitgliedstaates sei nicht möglich. Spanische Medien werteten diese späteren Worte als nachträglichen Korrekturversuch.
Ministerpräsident Pedro Sánchez bekräftigte unterdessen die Haltung seines Landes. Er warnte vor einer Eskalation im Nahen Osten und bezeichnete die Militäraktionen als „Russisches Roulette“ mit dem Schicksal von Millionen Menschen. Spanien werde sich nicht aus Angst vor Repressalien an völkerrechtswidrigen Handlungen beteiligen.