Vier Jahre nach Beginn der großflächigen Invasion in der Ukraine zeigt sich die russische Staatsführung unter Wladimir Putin in einer ambivalenten Position. Während das Land mit logistischen und sicherheitspolitischen Hürden konfrontiert ist, bieten sich auf der weltpolitischen Bühne neue Perspektiven. Ein zentraler Aspekt der russischen Strategie bleibt dabei der Umgang mit internationalen Sanktionen und die Sicherung von Exportwegen.
In der Ostsee kam es jüngst zu einem Vorfall mit einem sogenannten „Schattenflotten-Tanker“. Das Schiff, welches mutmaßlich zum Transport russischen Öls unter Umgehung von Sanktionen eingesetzt wird, entzog sich im Fehmarnbelt einer Kontrolle durch die Bundespolizei. Solche Vorfälle verdeutlichen die Spannungen in internationalen Gewässern und die Bemühungen Russlands, seine wirtschaftliche Handlungsfähigkeit trotz restriktiver Maßnahmen aufrechtzuerhalten.
Geopolitisch blickt der Kreml mit Erwartung auf den Regierungswechsel in den Vereinigten Staaten. Die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus wird von Beobachtern als potenzieller „Glücksfall“ gewertet, da dies zu einer Schwächung der westlichen Unterstützung für Kiew führen könnte. Dennoch bleiben erhebliche Sorgen bestehen: Die wirtschaftliche Belastung durch den Krieg, die technologische Abhängigkeit und die langfristige Isolation von europäischen Märkten wiegen schwer.
Kulturelle und intellektuelle Stimmen wie die des Schriftstellers Viktor Jerofejew warnen vor einer tiefgreifenden Veränderung der russischen Gesellschaft. Er beschreibt eine Atmosphäre, in der die Verherrlichung des Kampfes zunehmend den Alltag bestimme und eine Rückkehr zu einem friedlichen Miteinander mit dem Westen in weite Ferne rücke. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die strategischen Hoffnungen Moskaus die strukturellen Defizite überwiegen können.