In der aktuellen bildungspolitischen Debatte in Österreich rückt die Vorbereitung von Kindern und Jugendlichen auf eine digitale Gesellschaft in den Fokus. Bildungsminister Christoph Wiederkehr strebt eine umfassende Reform der Lehrpläne für die AHS-Oberstufe an. Nach seinen Vorstellungen soll ab dem Schuljahr 2027/28 das neue Pflichtfach „Medien und Demokratie“ eingeführt werden. Zudem soll der Informatikunterricht um den Bereich „Künstliche Intelligenz“ (KI) erweitert und zeitlich aufgewertet werden.
Parallel dazu formierte sich eine Initiative um den Unternehmer Alexander Zach, die ein eigenständiges Fach für Medienbildung fordert. Zach argumentiert, dass Themen wie Cybermobbing, Desinformation und der Umgang mit sozialen Medien eine so zentrale Bedeutung für die Demokratie hätten, dass sie nicht nur fächerübergreifend behandelt werden dürften. Medienkompetenz müsse als fundamentales Werkzeug begriffen werden, ähnlich wie Mathematik oder Englisch.
Zur Finanzierung dieser neuen Schwerpunkte sieht der Plan des Ministeriums vor, den Stundenumfang anderer Fächer zu reduzieren. Insbesondere der Lateinunterricht steht zur Disposition; die Wochenstunden in der Oberstufe könnten von bisher zwölf auf acht sinken. Diese Pläne stoßen bei Lehrervertretern und Befürwortern humanistischer Bildung auf Kritik, die in Latein ein wichtiges Fundament für kritisches Denken und kulturelle Identität sehen.
Unterstützung erhält der Ausbau der Medienkompetenz auch durch mediale Kooperationen. Der ORF startete eine Initiative mit der Plattform bildung.ORF.at und bietet in Zusammenarbeit mit Partnern wie der Tageszeitung „Der Standard“ Workshops für Lehrkräfte und Schulklassen an. Ziel sei es, die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Fakten und Fälschungen zu stärken und journalistische Werkzeuge im Unterricht zu vermitteln.